Die Geschichte Hawaiis

Hawaii-Karte mit allen Inseln

Die Geschichte Hawaiis

Hawaii und seine Bewohner blicken auf eine bewegende Geschichte zurück. Es ist nicht nur die Geschichte der Hawaiianer, sondern auch die Geschichte vieler anderer Völker. Hawaii bedeutet eine traumhafte Umgebung, ein Paradies auf Erden, und ist auch ein Ort, dessen Geschichte uns sehr viel lehren kann. Wenn wir bereit sind, hinter die Kulissen zu schauen, begegnet uns ein Hawaii mit einer sehr alten Kulturgeschichte und Menschen, denen die universellen Weisheiten des Lebens ständige Begleiter in ihrer Entwicklung waren und sind. Die Geschichte Hawaiis ist uns gerade für die heutige Zeit der vielen Brennpunkte auf der Welt eine beispielhafte Darstellung der Entstehung und daraus ergebend, der möglichen Lösungen von bilateralen Konflikten.

Ab 1820 kamen christliche Missionare auf die Inseln, um die dort lebenden "Wilden" zu "zivilisieren", was aus heutiger Sicht wie in vielen anderen tragischen Beispielen auch als weitgehende Ausrottung der Kultur, des Brauchtums und der einheimischen Menschen bezeichnet werden kann. Ab dieser Zeit bis zum Beginn der kommerziellen Ölförderung Ende der 1850er Jahre wurden Honolulu und Lãhainã zu wichtigen Häfen für die Walfänger, die dort ihre Waren umschlugen und auch überwinterten. Mit den Missionaren forcierten die Amerikaner in den 1830er Jahren den Zuckeranbau auf den Inseln. Die Plantagenbesitzer begannen zunehmend die ökonomischen und politischen Geschicke Hawaiis zu bestimmen. Durch die Gründung der Hudson Bay Company 1834 wurde Honolulu endgültig zu einem Haupthafen des Pazifik.

1848 ließ sich König Kamehamea III. (tiefe Depression nach dem Tod seiner Schwester und Mätresse Nahienaena) von weißen Kaufleuten und ehemaligen Missionaren dazu bringen, den Feudalismus abzuschaffen und allen „gleiche“ Landrechte einzuräumen. Diese als Große Mahele bezeichnete Landreform bedeutete eine amtliche Trennung der Hawaiianer von ihrem Land. Den Hawaiianern fiel es besonders schwer, selbst privat Land zu erwerben, denn die dafür erforderlichen Formulare wurden nur in Englisch ausgegeben. Dies führte dazu, dass die haole (haw.: Weißer, Fremder) besonders schnell riesige Ländereien kauften, es wurde immer mehr Land für Plantagen gebraucht.

 

Kamehamea I. König auf Hawaii

Die Schätzungen über die Einwohnerzahl Hawaiis zur Zeit ihrer Entdeckung durch Ct. Cook reichen von 300- 400.000 bis hin zu knapp einer Million. 1850 betrug sie weniger als 60.000! Hawaii war der abgeschiedenste Fleck der Welt und die Bewohner hatten kein Immunsystem entwickeln können, um den von den westlichen „Einwanderern“ eingeschleppten Krankheiten zu begegnen. Im Dez. 1854 starb König Kamehamea III. und sein Nachfolger Alexander Liholiho bestieg als König Kamehamea IV. den Thron. Schon 1863 starb Kamehama IV. und hinterließ die 27 jährige, beim Volk sehr beliebte, Königinwitwe Emma, bei der auch die spätere erste und einzige Königin Hawaiis, Lili`uokalani, lebte. 1860 wurde ein Gesetz erlassen, dass Hawaiianer ihren Kindern 2 Namen zu geben haben und den christlichen voran zu stellen haben.Mit Kamehamea V. starb 1872 der letzte König der Kamehamea- Dynastie, welche bis dahin direkt auf Kamehamea I. zurück ging, der 1810 alle Inseln zu einem Königreich vereinte. Der Nachfolger, William Charles Lunaliloerstmalig von der hawaiischen Gesetzgebung gewählt, starb schon 2 Jahre nach seinem Amtsantritt, geplagt von Tuberkulose und Alkoholproblemen.

Im Jahr 1874 verlieh das Schicksal mit David Kalãkaua den Hawaiianern wieder mehr Zuversicht. Mit seiner Thronbesteigung setzte sich Kalãkaua  für die Wiederbelebung der hawaiischen  Brauchtümer und Traditionen ein und besetzte das Repräsentantenhaus neu mit Hawaiianern. Kalãkaua ließ den Iolani-Palast errichten, welcher 1882 fertig gestellt wurde und noch vor dem Weißen Haus in Washington fließendes Wasser und vor dem Buckingham-Palast elektrischen Strom erhielt.

Zunehmend geriet er unter den Einfluß geldkräftiger Kreise, vornehmlich aus der Zuckerindustrie. Die Zuckerplantagen der amerikanischen Südstaaten hatten im Sezessionskrieg (1861-1865) stark gelitten, so kam es dass Zucker von Hawaii in immer größerem Ausmaß nach Amerika gelangte und auf Hawaii immer neue Plantagen entstanden, mit den dazu gehörigen Sklavenarbeitern. Es wurde darüber diskutiert, ob hawaiischer Zucker zollfrei eingeführt werden darf im Gegenzug für die Überlassung von Pearl Harbor. 1875 wurde dann ein Vertrag über wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA geschlossen, der es erlaubte, den Zucker aus Hawaii zollfrei zu exportieren, die USA bekamen dafür exklusive Handels- und Wegerechte, wodurch die Souveränität Hawaiis weiter eingeschränkt wurde. Mit einer Ergänzung des Vertrags übernahmen die USA 1887 das alleinige Nutzungsrecht für den Hafen Pearl Harbor. Pearl Harbor war strategisch wichtig im Pazifik und wurde so zu dem, was er leider noch heute ist, ein Kriegshafen.

 

Iolani-Palast in Honolulu

David Kalãkaua war dennoch für sein Volk ein Held. Die Hawaiianer gewannen unter ihm ihren Nationalstolz zurück. Er holte Familien ehemaliger Häuptlinge wieder in Amt und Würden, erlaubte per Gesetz den hawaiischen Kahunas wieder die öffentliche Ausübung von Kräuterheilung und Gesang, ließ das Kumulipo, den hawaiischen Schöpfungsgesang zum ersten mal schriftlich aufzeichnen, ebenso die Ahnengeschichte sämtlicher Inseln in 8 Bänden und alte hawaiische Lieder und Gesänge. Kalãkaua  war auch ein Künstler, komponierte Lieder, ließ ein Theater und einen Konzertsaal errichten, es wurden Opern und Stücke von Shakespeare und anderen Klassikern aufgeführt. Er förderte, dass die Hawaiianer wieder lesen lernen und durch Bildung auch Ämter bekleiden können. Kalãkaua war der erste König der Welt, der die USA besuchte und dort 1874 vor dem Repräsentantenhaus sprach. Auch konzessionierte Kalãkaua 1886 den Opiumhandel wieder, wodurch die einträglichen Schmuggelgeschäfte an Fahrt verloren.

Das war den weißen Kaufleuten und Plantagenbesitzern ein Dorn im Auge. Angreifbar war Kalãkaua durch seinen ausschweifenden Lebenswandel und so gelang es der Hawaiischen Liga, einer Gruppe reicher Kaufleute, 1887 mit den die Fronten wechselnden „Honolulu-Gewehrschützen“ ihm seine Macht zu entreißen. Eine neue „Verfassung“, in der Kalãkaua erklärte, zu regieren, aber nicht zu herrschen ging als „Bajonett-Verfassung“ in die Geschichte ein. Das hawaiische Volk wurde so noch weiter entrechtet, die meisten konnten die neuen Voraussetzungen zum Wählen nicht erfüllen und sich erst recht nicht um ein Amt bewerben. Im Jahr 1892 starb Kalãkaua auf einer Reise nach San Francisco auf mysteriöse Weise.

 

Die verehrte und beliebte Königin Liliuokalani von Hawaii



Mit der Schwester von Kalãkaua gelangte erstmals eine Königin ins Amt, die noch heute bei den Hawaiianern beliebte und verehrte Lili`uokalani. Zu der Zeit trieben die haole- Zuckerbarone ihre Kampagne zur Annexion Hawaiis voran. Lili`uokalani gelobte bei ihrer Thronbesteigung eine Annexion in jedem Fall zu verhindern. In einer 1892 stattfindenden Sitzung der hawaiischen gesetzgebenden Versammlung sprachen sich nur 9 Miglieder für eine Annexion und über 30 dagegen aus. Lili`uokalani wollte daraufhin eine neue Verfassung einführen, um die Inseln wieder ihren Urbewohnern zurück zu geben. Es sollten nur noch Hawaiianer wählen können, das Volk wählt seine Vertreter, (noch) war es ihr Land.


Was dann folgte, war eine militärische Besetzung. Noch bevor Lili`uokalani die Verfassung verabschieden konnte, schickte der Botschafter der Vereinigten Staaten Truppen nach Hawaii, ohne Zustimmung der US- Regierung. Ein Kriegsschiff, die U.S.S. Boston, stand vor der Küste Hawaiis, die Kanonen auf den Iolanis- Palast gerichtet. Das Militär besetzte mit denselben Männern, welche Kalãkaua die Bajonett-Verfassung aufzwangen, die Regierungsgebäude. Die haole riefen das Kriegsrecht aus und verlangten die Abdankung der Königin. Während in den USA der Wahlkampf zwischen Cleveland und Harrison lief, wurde vom Rest der Welt unbeachtet Hawaii seinem Volk geraubt.

 

Der noch amtierende Präsident Benjamin Harrison hatte noch 1892 seine Unterstützung zur Annexion Hawaiis zugesagt. Grover Cleveland, sein Vorgänger und Nachfolger,der 22. und 24. Präsident der USA, erklärter Gegner der Annexion Hawaiis, bezeichnete den Sturz der Königin Lili`uokalani als „unrechtmäßig, unmoralisch“ und einen „kriegerischen Akt“. Mit Unterstützung des Kongresses versprach er die Wiedereinsetzung von Lili`uokalani als Königin. Das amerikanische Repräsentantenhaus erklärte die Annexion Hawaiis für unrechtmäßig und verfassungswidrig.

Doch die provisorische Regierung von Hawaii, die sog. Missionsmonarchie, weigerte sich einfach, die Befugnis von Präsident Cleveland zur Regelung der Hawaii- Angelegenheiten anzuerkennen. Präsident Cleveland ließ seinen Beschlüssen nicht die notwendige Entschlossenheit zur Umsetzung folgen und so behielt Hawaii 5 Jahre lang eine provisorische Regierung, deren erklärtes Ziel die Annexion Hawaiis war, geleitet von einigen wenigen reichen Kaufleuten und Plantagenbesitzern. Königin Lili`uokalani wurde unter Hausarrest gestellt. Viele ihrer Unterstützer, darunter viele Frauen, saßen in Gefängnissen, ihnen drohten lange Haftstrafen und sogar die Todesstrafe. Um ihre Getreuen zu retten, dankte Lili`uokalani 1895 formell ab und gab sämtliche Ansprüche auf ihren Thron auf.

Mit Beginn des spanisch-amerikanischen Krieges auf den Philippinnen wurde dann endgültig das Schicksal Hawaiis, aufgrund seiner strategischen Bedeutung als Marinestützpunkt, besiegelt. Präsident McKinley unterzeichnete 1898 die Resolution zur Annexion Hawaiis.

Am 19. Dezember 1842 war die Anerkennung der Unabhängigkeit Hawaiis durch die Vereinigten Staaten erklärt worden.
56 Jahre später, am 12. August 1898 fanden dann die Feierlichkeiten zur Annexion Hawaiis durch die USA statt.


David Keanu Sai, Professor für Politikwissenschaft an der University of Hawaii at Mānoa, sagte, was die Hawaiianer noch heute fühlen, Hawaii ist nie Teil der USA geworden, sondern lediglich militärisch besetzt worden. Die Welt erlebt ein weiteres Unrecht und wieder zeigte sich, wie weit militärische Interessen das Völkerrecht überwiegen.  Und es zeigt sich, wo es wirklich hinzuschauen gilt, wenn wir in Frieden mit anderen Völkern und Kulturen leben möchten. Wen oder was finden wir, wenn wir uns um eine objektive Antwort auf die folgenden Fragen bemühen? Wer hatte kein Interesse daran, dass Hawaii unabhängig bleibt? Wer zieht noch immer die Fäden? Wer hat kein Interesse daran, dass internationale Konflikte beigelegt werden, sondern beliefert abwechselnd die Streitparteien mit Waffen? Wer hat kein Interesse daran, dass die Menschen gesund bleiben? Wer hat kein Interesse daran, dass die Menschen sich ihre eigene Meinung bilden können und wer kann kein Interesse daran haben, dass die Menschen über alle Grenzen hinweg einander die Hand reichen? 

Aloha nui loa Hawaii!

Bildquellen:

Hawaii-Karte: Fotolia
Andere Bilder: wikimedia.org